100 Jahre Naturschutzgebiet Sulzheimer Gipshügel

Im Zuge unseres Bürowechsels im Jahr 2025 haben wir unser Archiv durchgesehen und sortiert. Dabei sind uns historische Dokumente aufgefallen, die anscheinend in Vergessenheit geraten waren. Es handelte sich um Original-Dokumente, die das Engagement des Bund Naturschutz in Schweinfurt bereits vor 100 Jahren dokumentieren.
Diese Unterlagen belegen, wie die Bayerische Botanische Gesellschaft, der Naturwissenschaftliche Verein Schweinfurt und der BUND Naturschutz ein Naturschutzgebiet von 2,2 Hektar Größe durchgesetzt und zudem einen Vertrag mit der Gemeinde Sulzheim beurkundet haben.
Begeistert von diesem Fund hatten wir spontan die Idee, daraus etwas zu machen. Unser „Grüner Engel“ Erich Rößner, Naturschutzwächter und ausgewiesener Kenner der Gegend, nahm sich des Themas an.
Die Gemeinde Sulzheim mit der Bürgermeisterin Katharina Stark übernahm die Organisation der Veranstaltung inklusive Einladungen und Auswahl der Lokalität, dem Gipsinformationszentrum (GIZ). Dr. Büttner von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft und Erich Rößner vom Bund Naturschutz traten als Referenten auf. So waren fast alle Nachfolger der damaligen Vertragspartner vertreten. Das GIZ war komplett belegt – anwesend waren neben mehreren Amtsträgern auch zahlreiche Naturfreunde.
Dr. Büttner referierte über die Geschichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft in Schweinfurt und präsentierte dabei auf anschauliche Weise auch geologische Daten und historisches Kartenmaterial.
Erich Rößner spannte den Bogen weit und berichtete ausführlich über das Thema – auch die damals beteiligten Personen wurden „beleuchtet“ und es war beeindruckend zu sehen, wie wichtig es war, dass diese Personen mit großer Begeisterung für den Naturschutz gewirkt haben.
Thematisiert und kritisch beleuchtet wurde auch die politische Mitverantwortung der Schweinfurter BUND Naturschutz Gruppe in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Abgerundet wurde der Vortrag mit vielen Infos über die Fauna und Flora der Sulzheimer Gipshügel und wie sich das Gebiet mit den ergänzenden NSG-Ausweisungen zu einem regelrechten „Schatz“ entwickeln konnte.
Diese positive Entwicklung ist auch dem Wirken von vielen, teils ehrenamtlich tätigen, Personen zu verdanken. Über einen Zeitraum von 40 Jahren - und damit besonders prägend - war Herr Jürgen Kiefer von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) auch für die Gipshügel zuständig. Dank seiner nachhaltigen Bemühungen wurde das Gebiet zu einem weit über unsere Region bekannten Naturereignis.
Ihm und allen Menschen, die sich für die Erhaltung und den Schutz solcher Gebiete einsetzen, gilt unser großer Dank!
Es bleibt zu hoffen, dass die Bundespolitik die existenzielle Bedeutung von Schutzgebieten wieder mehr anerkennt und berücksichtigt. Immerhin: Auf lokaler Ebene ist die Bereitschaft ungebrochen, die unmittelbare Umgebung zu schützen und sich für eine intakte Natur einzusetzen.
Wir Naturschützer haben einen langen Atem und denken über Legislaturperioden hinaus.
