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Nationalpark Steigerwald

Aus der Mainpost (Gerolzhofen) vom 25.11.2011 Weiger und die verweigerte Diskussion

zu Vortrag von Dr. Hubert Weiger:
Wilde Wälder - unverzichtbar für Arten- und Klimaschutz

Von Mainpost- Redaktionsmitglied Norbert Vollmann

Weiger und die verweigerte Diskussion
Der BUND-Vorsitzende hat den Buchen-Nationalpark bei Vortrag in Gerolzhofen noch längst nicht abgeschrieben

„Wir sind durch die Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung nicht deprimiert, weil wir aus Erfahrung wissen, dass diejenigen, die einen rein auf Staatswaldgebiet im Nördlichen Steigerwald geplanten Buchen-Nationalpark heute noch ablehnen, morgen an der Enthüllungstafel stehen werden.“ Mit diesen Worten nahm der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Deutschland (BUND) und Landesvorsitzende in Bayern, Hubert Weiger, bei seinem Vortrag in Gerolzhofen zur aktuellen Situation in Sachen Nationalpark Stellung.

Gelernter Forstmann

Der gelernte Forstmann sprach im gut gefüllten Nebenzimmer des Ristorante „La Torre bianca“ auf Einladung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Schweinfurt und des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald zum Thema „Wilde Wälder - unverzichtbar für den Naturschutz“.

Klar und deutlich wurde an diesem Abend das Bedauern Hubert Weigers darüber, dass es bis heute nicht gelungen ist, in eine richtige Pro-und-Kontra-Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern einzutreten, „um die Entscheidung auf eine andere Grundlage zu stellen, als dies bisher der Fall ist“. So sei es im Vorfeld leider auch nicht zur Erstellung einer so genannten Machbarkeitsstudie als Diskussions- und Entscheidungsbasis gekommen.

Der Redner machte deutlich: „Es muss einen demokratischen Diskurs geben, ohne sich anzuschreien und auszupfeifen.“ Der Weg hin zu der „längst überfälligen Diskussion“ dürfte aber noch weit sein, denn selbst an diesem Abend ließ sich bis auf den Gerolzhöfer geo-net-Stadtrat Thomas Vizl kein anderer Mandatsträger aus den betroffenen Kommunen blicken.

Dessen ungeachtet, bekräftigte Hubert Weiger, dass die politische Entscheidung lediglich bezogen auf die jetzige Legislaturperiode in München gefallen sei, aber keinesfalls unumkehrbar sei. Die Ablehnung sei bis zum jetzigen Zeitpunkt auch nie fachlich begründet worden, sondern rein politisch, mit dem angeblichen Widerstand eines Großteils der betroffenen Bevölkerung gegen einen Nationalpark.

Dabei, so Weiger, liege beispielsweise besonders im Landkreis Bamberg, aber auch in den Haßbergen schon eine völlig andere Situation vor als im Landkreis Schweinfurt. Und nicht nur der von der Staatsregierung eingerichtete Zukunftsrat in Bayern habe ein klares Bekenntnis zu dem Buchen-Nationalpark abgelegt, sondern nach seiner Einschätzung stehe auch die große Mehrheit der bayerischen Bevölkerung dahinter. Weiger kämpferisch in der anschließenden Diskussion: „Der Nationalpark im Nördlichen Steigerwald wird Thema im Landtagswahlkampf.“ Dessen Ausweisung und Finanzierung sei nämlich Ländersache.

Der oberste Naturschützer in Deutschland: „Wir setzen ganz bewusst auf die demokratischen Entscheidungsprozesse, weil wir aus fachlichen Gründen davon überzeugt sind, dass es diesen Nationalpark geben muss. Dafür wollen wir werben und uns mit der betroffenen Bevölkerung argumentativ auseinandersetzen.“

Weiger lenkte in diesem Zusammenhang den Blick auf die internationale Verantwortung Deutschlands, indem er sagte: „Ich kann nur von anderen, noch dazu armen Staaten auf der Welt verlangen, dass sie ihre Wälder im Interesse unseres Überlebens nicht nutzen, wenn ich dazu im eigenen Land bereit bin. Sonst brauche ich keine Konferenzen in Rio und anderswo.“

Die aufgrund der klimatischen Verhältnisse begrenzten Rotbuchenwälder zu sichern, sei eine weltweite Aufgabe. In wenigen Jahren werde man deshalb in einer ganz anderen Qualität über den Buchen-Nationalpark diskutieren, zeigt sich Weiger zuversichtlich. Die Voraussetzungen für einen Nationalpark im Nordsteigerwald, einem zusammenhängenden Gebiet von außerordentlicher ökologischer Qualität, seien jedenfalls optimal, so der Redner.

Die Größenordnung

Was die im staatlichen Forstbetrieb Ebrach gelegenen 10 000 Hektar betreffe, von denen wiederum 7500 Hektar aus der Nutzung und sich selbst überlassen werden würden, so handele es sich dabei um die von der Bayerischen Staatsregierung vorgeschriebene Mindestgröße für einen Nationalpark. Hubert Weiger, um die Größenordnung zurechtzurücken: „Auf 80 Prozent der gesamten Waldfläche des Steigerwaldes kann auch künftig weiter Holz genutzt werden.“

Der BUND-Vorsitzende mit Blick darauf, dass der Steigerwald derzeit bei Bekanntheitsgrad und Besucherzahlen im Vergleich mit Nationalpark-Regionen am hinteren Ende der Tourismus-Skala rangiert: „Ein Nationalpark liegt nicht nur im Interesse des Naturschutzes, sondern zugleich im Überlebensinteresse dieser Region, die aufgrund ihrer geografischen Lage eher eine Abwanderungs- als Zuwanderungsfunktion hat.“

Von Mainpost- Redaktionsmitglied Norbert Vollmann